Dermatologie & Allergologie
Ekzem: Diagnose
Ekzem
Definition
So genannte Juckflechte; Bezeichnung für eine nicht kontagiöse Entzündungsreaktion der Haut mit Juckreiz.
Einteilung
1. nach dem Verlauf
- Akutes Ekzem: mit Rötung, Ödem, Bläschen, Blasen, Erosionen und Krusten
- Chronisches Ekzem: mit Schuppung, Lichenifikation, Hyperkeratosen, Rhagaden
2. nach den auslösenden Faktoren
- Exogenes Ekzem (Kontaktekzem, allergisch oder toxisch bedingt)
- Endogenes Ekzem (atopisches, dyshidrotisches, mikrobielles, nummuläres, seborrhoisches Ekzem und Lichen simplex chronicus circumscriptus)
Wichtigste Vertreter:
- Kontaktekzem (allergische und toxische Genese)
- atopisches Ekzem (atopische Dermatitis)
- seborrhoisches Ekzem
- nummuläres Ekzem
Weitere Ekzeme: dyshidrotisches Ekzem, Exsikkationsekzem
Kontaktekzem
Zwei Varianten:
1. Allergisches Kontaktekzem (Typ-IV-Allergie, s.a. Allergien)
Hautkontakt mit Antigen von außen
Symptome
- An Handflächen und Fußsohlen: akut: Rötung und Bläschen, chronisch: Rötung, Keratose und Rhagaden
- Auf der übrigen Haut: akut: Rötung und Papulovesikel, chronisch: Rötung und Lichenifikation (Verdickung der Haut, Vergröberung der Hautfelderung, spiegelnder Glanz)
- Unscharfe Begrenzung
- Maximale Ausprägung an den Kontaktstellen, von dort ausgehend Streuung häufig (Asymmetrie)
- Juckreiz
Diagnostik
Antigen-Nachweis durch Epikutantestung (Patchtest)
Sonderform: photoallergisches Kontaktekzem
Hautkontakt mit Antigen von außen, anschließend Belichtung
Symptome
Wie allergisches Kontaktekzem, jedoch ausschließlich bzw. maximal an belichteten Hautstellen
Diagnostik
Antigen-Nachweis durch Epikutantestung (Photopatchtest)
Häufige Photoallergene: Salizylanilide (früher in Seifen und Deodorants weit verbreitet), Sulfonamide, Moschus etc.
Expositionstextung in begründeten Fällen
2. Irritatives Kontaktekzem
Hautkontakt mit toxischer Substanz (Antigen) von außen (z. B. Desinfektionsmittel)
Symptome
Hautlokalisation und Juckreiz wie allergisches Kontaktekzem
Aber: scharfe Begrenzung an den Kontaktstellen;
Keine Streuung;
Bei Erstkontakt mit Antigen auslösbar, keine Sensibilisierung notwendig
Diagnostik
Antigen-Nachweis durch Epikutantestung (Patchtest)
Sonderform: degenerativ-toxisches Handekzem
Klinische Charakteristik
Hyperkeratotische Herde an den Handflächen mit Rhagadenbildung als Folge von wiederholtem Kontakt mit irritativen Substanzen, z. B. Lösungsmittel, Seifen etc.
Differenzialdiagnose
- Allergisches Kontaktekzem
- Tinea manuum
- Hereditäre palmoplantare Hyperkeratosen
Verlauf
Chronisch rezidivierend
Atopisches Ekzem (atopische Dermatitis)
(Neurodermitis, Dermatitis atopica u.a.)
Definition
"Vererbte Ekzemneigung", oft ohne Nachweis eines für die Haut relevanten Antigens, mit jahrelangem Verlauf in Schüben bis zur Pubertät, seltener auch danach.
Zwei Formen:
1. extrinsisch = allergisch: Erhöhung des Gesamt- und spezifischen IgE, häufig verbunden mit anderen Typ-I-Reaktionen, wie allergisches Asthma oder Rhinokonjunktivitis, häufig in der Kindheit beginnend.
2. intrinsisch = nicht-allergisch: keine Assoziation mit erhöhter IgE-Produktion, keine Assoziation mit allergischem Asthma bronchiale oder Rhinokonjunktivitis.
Symptome
- Trockene Haut mit Rissbildung bei Dehnung (Ohrläppchen, Mundwinkel) und häufig, besonders im Winter, Rötung, Keratose und Rhagaden an den Vorfüßen ("Dermatitis plantaris sicca")
- Weißer Dermographismus
- Ichthyosis vulgaris
- Keratosis pilaris
- Pityriasis alba
- Erscheinungsbild altersabhängig unterschiedlich
Säugling: nässendes Ekzem mit Schwerpunkten im Gesicht und im Windelbereich.
Jugendliche: Lichenifikation in den großen Gelenkbeugen (besonders Hals, Ellenbeugen, Handgelenke, Kniebeugen).
Erwachsene: wie Jugendliche, manchmal mit Prurigonote, gelegentlich nur lokalisiert als Handekzem oder als kleinere Ekzemherde an z. B. Unterschenkeln, Oberarmen (Pityriasis alba)
- Häufig Verschlechterung im Winter, Besserung im Sommer
- Minimalvariante: Dyshidrotisches Hand-/Fußekzem
Komplikationen
- Bakterielle Infektionen bei Superinfektion (Staph. aureus), Reservoir häufig Nasenvorhof
- Infektion mit Herpes-simplex-Virus ("Eczema herpeticatum")
- Mollusca contagiosa (Kinder)
- Katarakt (selten)
Seborrhoisches Ekzem
Klinische Charakteristik
Chronische oder subakut rezidivierende ekzematische Entzündung mit gelbrötlicher fettiger Schuppung auf geröteter Haut, die bevorzugt in den seborrhoischen Arealen (Gesicht, Capillitium, Brust, Rücken) auftritt und häufig juckt.
Ursächlich werden eine Dysfunktion der Talgdrüsen und/oder eine Beteiligung von Malassezia furfur angenommen.
Epidemiologie
Bis zu 5% der Bevölkerung leiden an verschieden stark ausgeprägtem seborrhoischem Ekzem.
Bei HIV-positiven Patienten stark gehäuft (bis zu 80%).
Sonderform
Seborrhoisches Ekzem des Säuglingsalters
Tritt in den ersten 3. Lebensmonaten mit bevorzugter Manifestation am behaarten Kopf (Gneis) auf, kann aber auch generalisiert sein (Erythrodermie; früher Erythrodermia desquamativa Leiner).
Differenzialdiagnosen
Verlauf
Subakut oder chronisch verlaufend, manchmal Remission in sonnenreicher Jahreszeit. Das seborrhoische Ekzem des Säuglingsalters heilt nach mehreren Wochen spontan ab.
Nummuläres Ekzem
Nummuläres mikrobielles Ekzem
Klinische Charakteristik
Multiple münzgroße, juckende, lichenifizierte Herde mit aufgelagerten Schuppen und/oder Krusten. Bevorzugt an den Extremitäten, Auftreten jedoch auch am übrigen Integument möglich.
Differenzialdiagnose
- Andere Ekzemarten
- Psoriasis
- Epidermomykosen
Verlauf
Chronisch rezidivierend
Intertriginöses mikrobielles Ekzem
Klinische Charakteristik
Nässende erythematöse, mazerierende Herde an Intertrigostellen (submammär, große Körperfalten, interdigital) oder okkludierten Hautpartien (Windeldermatitis).
Differenzialdiagnose
- Kontaktdermatitis
- Candidainfektion
- Epidermomykose (inguinal)
- Psoriasis inversa
- Erythrasma
Weitere Ekzemformen
Dyshidrotisches Ekzem
Klinische Charakteristik
Multiple juckende, einzeln stehende oder konfluierende Hirsekorn-große Bläschen an Händen und Füßen entweder im Rahmen einer atopischen Dermatitis, einer Kontaktallergie oder ohne erkennbare Ursache auftretend.
Differenzialdiagnosen
Psoriasis pustulosa palmoplantaris
Verlauf
Chronisch rezidivierend
Exsikkationsekzem (asteatotisches Ekzem)
Klinische Charakteristik
Häufig generalisiertes, ichthyosiform schuppendes, juckendes Ekzem mit bevorzugter Lokalisation an den Unterschenkeln. Tritt besonders im Winter („winter's itch“) und bei Personen jenseits des 60. Lebensjahres auf.
Typische Morphologie der Läsionen, an krakelierte alte Ölbilder erinnernd - Ekzema craquelé.
Differenzialdiagnose
- Chronische Arzneimittelexantheme
- Hypothyreoidismus








